In diesem Kapitel erfahren Sie mehr über den den Föhn. Sie werden sehen, daß der
Föhn nicht nur im Alpenvorland, sondern an allen Gebirgen auf der Welt unter bestimmten Bedingungen auftreten kann.
Einleitung
Der Föhn ist ein warmer Fallwind, der unter bestimmten Bedingungen im
Lee höherer
Gebirgszüge auftritt. Er ist verbunden mit Wolkenauflösung und
erreicht je nach Stärke und Feuchtegehalt der Anströmung im Luv
des Gebirgszuges und je nach Höhe des Gebirges
Sturm- und Orkanstärke
im Leebereich. Das Alpenvorland z.B. verzeichnet jedes Jahr
(vor allem im Winterhalbjahr) mehrere Tage, an denen Föhneinfluß
herrscht.
Aber der Föhn ist ein Wetterphänomen,
dessen Ursache prinzipieller physikalischer Natur ist und somit eine
weltweite Gültigkeit besitzt. Im folgenden wird genauer auf die Entstehung
des Föhn (Föhnprinzip) eingegangen:
Das Föhnprinzip
Wird ein (z.B. bodennahes) Luftpaket gezwungen, aufzusteigen,
so kühlt es sich pro 100m Höhendifferenz um ziemlich genau 1°C ab.
Diese Abkühlungsrate bezeichnet man als trockenadiabatischen
Temperaturgradienten. Nun kann jedoch kältere Luft nicht so viel
Wasserdampf aufnehmen
wie wärmere, so daß bei weiterem Aufstieg
irgendwann ein Punkt erreicht wird, an dem
Kondensation, also
Wolkenbildung einsetzt. Der überschüssige Wasserdampf wird dann
ausgefällt. Wichtig ist, daß beim Vorgang der Kondensation
sog.
latente Wärme freigesetzt wird. Die weiter aufsteigende
Luft kühlt sich somit nicht mehr um 1°C pro 100m Höhendifferenz,
sondern um einen geringeren Betrag ab (vielleicht nur noch 0,6°C,
abhängig von der Menge an kondensierendem Wasserdampf!). Diese
geringere Abkühlungrate bei Kondensation wird durch den
feuchtadiabatischen
Temperaturgradienten beschrieben. Er ist also stets betraglich
kleiner gleich dem trockenadiabatischen Temperaturgradienten.
Eine typische, fischförmige Lenticularis-Wolke (Föhnwolke) über den Alpen.
Foto: Andreas Fuchs
Beispiel
Ein Beispiel: Man könnte sich z.B. eine feuchtwarme Luftmasse
(25°C in NN) vorstellen, welche auf der Alpensüdseite
aufgrund einer südlichen Anströmung gezwungen wird,
den Alpenhauptkamm zu überqueren. Die Luftmasse wird dynamisch
gehoben und solange die relative Feuchte noch nicht 100% erreicht
hat, kühlt sie sich mit 1°C pro 100m Höhendifferenz ab. Irgendwann
jedoch (vielleicht in 1500m Höhe) hat sie sich bis auf den
Taupunkt ( = Temperatur, bei die relative Feuchte 100% beträgt)
abgekühlt und bei weiteren Aufstieg setzt dann Kondensation,
also Wolkenbildung ein. Ab diesem Punkt wird nun latente Wärme
frei und die Luftmasse kühlt sich mit einer geringeren Rate
ab, bis sie den Alpenhauptkamm in 3000m Höhe erreicht. Hier hat
sie nur noch eine Temperatur von 0°C (bis 1500m
trockenadiabatisch um 15°C (1°C pro 100 Meter) auf 10°C und darüber
aufgrund von Kondensation bis 3000m nur noch um 10°C auf 0°C).
Nach Erreichen des Alpenhauptkammes kann die Luftmasse nun leeseitig
wieder absinken. Dabei erfolgen prinzipiell genau die umgekehrten
Prozesse wie bei Aufstieg auf der Alpensüdseite, d.h. die in 3000m
Höhe deutlich übersättigte Luft sinkt feuchtadiabatisch ab, bis
sie in 1500m Höhe allen zuvor auf der Alpensüdseite kondensierten
Wasserdampf wieder aufgenommen hat und sich fortan trockenadiabatsich
erwärmt. In München in 500m Höhe über NN kommt sie daher mit einer Temperatur von 20°C an.
In dem obigen Gedankenexperiment wurde jedoch ein wichtiger Punkt bisher
ausser Acht gelassen. Die Kondensation auf der Alpensüdseite
ist in der Regel so stark, daß die kondensierte Feuchtigkeit
zum Teil in Form von Regen (bzw. Schnee in höheren Lagen) ausfällt.
Und genau hier liegt die Erklärung für den Föhn.
Die nach ihrem Aufstieg am Alpenhauptkamm angelangten
Luftmassen
haben durch Niederschläge auf der Alpensüdseite meist einen Großteil
ihrer Feuchtigkeit verloren. Der feuchtadiabatische Abstieg
auf der Alpennordseite ist nur noch von sehr kurzer Dauer, d.h. bereits
knapp unterhalb des Alpenhauptkammes (vielleicht in 2700m bei
obigem Beispiel) beginnt der trockenadiabatische Abstieg. Da jedoch
die Erwärmungsrate hier bei 1°C pro 100m Höhendifferenz liegt,
kommt die Luft in München nicht mit 20°C, sondern (in diesem Beispiel)
mit rund 25°C an. Es herrscht dann Föhn in München!
Der Föhn - eine weltweite Erscheinung
Es ist nun verständlich, daß das Prinzip des Föhns keineswegs
auf die Alpen und auf eine Südanströmung beschränkt ist,
sondern überall auf der Welt in bestimmten Wetterlagen im
Lee höherer Gebirge auftreten kann.
Wie oben bereits erwähnt, führt das Ausfallen der Feuchte in
Form von Regen und Schnee im Luvbereich eines Gebirgszuges
zu einer Abnahme der absoluten Feuchte des Luft,
so daß sich die Wolken nach der Überquerung der Kammlagen des
betreffenden Gebirgszuges rasch auflösen und die Luft unter
trockenadiabatischer Erwärmung als
Fallwind beschleunigt ins
Tal sinkt. Ein Beobachter im Lee des Gebirges kann dann
die luvseitigen Wolkenmassen über die Gratlagen etwas "überhängen"
sehen. Diese überhängenden Wolkenmassen nennt man dann eine Föhnmauer.
Das folgende Bild zeigt eine solche Föhnmauer in vorbildlicher Weise.
Deutlich kann man auch an den nach unten weisenden Wolkenfetzen erkennen,
wie die Luft leeseitig absinkt: