Squall Lines sind kräftige Gewitterlinien, die eine horizontale Erstreckung von bis zu 1000km haben können.
Sie kommen vor allem in den USA sowie im tropischen Westafrika vor. Letztere, tropische Squall Lines werden in diesem Abschnitt
näher betrachtet.
Deskriptive Merkmale
Wenige Minuten vor dem Durchgang einer typischen tropischen Squall-Line
in Westafrika treten kräftige Windböen aus Südost bis
Nordost auf. Gleichzeitig setzt ein spürbarer Temperaturrückgang
ein. Der Durchgang der Cb-Linie selber ist durch eine etwa 10 bis 20 Kilometer
breite Zone intensiver, konvektiver Niederschläge in Verbindung mit
weiteren kräftigen Böen ("convective downdrafts") verbunden.
Dahinter schließt sich eine etwa 100 bis 500 Kilometer breite Zone
mit zunehmend schwächeren, stratiformen Niederschlägen an, welche
durch die großflächigen, "nachschleifenden"
Cb-Eisschirme verursacht werden. Diese Amboss-Region ist durch schwächere,
mesoskalige Abwinde ("mesoscale downdrafts") unterhalb etwa
600hPa charakterisiert, deren Existenz auch numerisch nachgewiesen werden
konnte (Brown, 1974). Im Bodendruckfeld findet man unter dieser mesoskaligen
Abwindregion in der Modellrealität ein schwaches Mesohoch, welches auch
in der physikalischen Realität meßbar ist. Die Länge der
"leading edge" einer tropischen Squall Line beträgt bis zu
1000 Kilometern. Die Gesamtheit, bestehend aus den Cb’s der eigentlichen Squall
Line sowie der großflächigen Ambossregion wird von Houze als
Squall-Line System bezeichnet.
Die beobachteten Abwinde, also sowohl die konvektiven Downdrafts im Bereich
der Cb’s als auch die mesoskaligen Abwinde im Bereich der Eisschirme lassen
sich durch folgendes Prinzip erklären: Geraten vorhandene Niederschlagspartikel
in eine Region schwächerer Aufwinde innerhalb einer Konvektionszelle, so
beginnen sie aufgrund ihres Gewichts beschleunigt zu sinken. Bei diesem Absinken
ziehen sie einerseits durch Reibungseffekte größere Luftmengen mit nach unten.
Andererseits werden bei diesem Prozess auch umgebende, ungesättigte Luftmassen
durch Entrainment mit einbezogen. Durch die daraus resultierende stärkere
Untersättigung der Luft setzt ein verstärkter Verdunstungsprozess der
Niederschlagsteilchen ein, der zu einer zusätzlichen Abkühlung der Luftmasse
führt. Dies wiederum verstärkt dann die initiale Absinkbewegung
Datenmaterial
Möchte man eine bessere Einsicht in die interne und externe Dynamik
sowie in die Thermodynamik tropischer Squall Lines gewinnen, so sind
räumlich und zeitlich hochauflösende, dreidimensionale Doppler-Radaranalysen
das Mittel erster Wahl. Zudem liefern hochfrequente IR-Satellitenbildanimationen
einen guten Überblick über die Gesamtentwicklung sowie die Verlagerungsgeschwindigkeit
des Squall Line Systems, wobei man hierbei jedoch immer nur die Obergrenze
der Wolkenkomplexe identifizieren kann. Polarumlaufende Satelliten (sog. "Polarorbiter")
hingegen liefern durch passive (und aktive) Mikrowellenverfahren indirekte
Felder der Regenraten des abgetasteten Areals. Diese Feldverteilungen ermöglichen
eine bessere Identifikation speziell von Gewitterlinien, die sich unterhalb
ausgedehnter Cb-Schirme befinden und daher nicht aus IR-Sat.-analysen idenfizierbar
sind. Der größte Nachteil ist hierbei aber, daß diese Feldverteilungen von ein
und demselbem Polarorbiter nur alle 12 Stunden vorliegen und man daher nur
wenig Informationen über die zeitliche Entwicklung der Regenratenfelder erhält.
Ergänzend sind Radiosondenaufstiege sowie Meßdaten von Bodenstationen hilfreich,
vor allem für die Analyse der Thermodynamik eines Squall Line Systems.
Während GATE 1974 wurden hochfrequente / hochaufgelöste Messungen mit allen oben
genannten Meßsystemen (außer den Regenratenfeldern aus Mikrowellenverfahren,
die jedoch durch die 3D-Radaranalysen mehr als ersetzt wurden!) durchgeführt.
Darüberhinaus wurden zusätzlich all-sky Kameras auf den betreffenden Forschungsschiffen
auf dem Atlantik eingesetzt. Die große Datendichte/-qualität ermöglichte
eine sehr detaillierte Analyse dieses über den Atlantik ziehenden Squall Line
Systems vom 4./5. September 1974.
Abbildung 3: Geographische Lage und Name der 4 Forschungsschiffe auf dem Atlantik während GATE (Phase III). Die Kreise markieren die jeweiligen Abtastradien der eingesetzten Niederschlagsradars.
Im allgemeinen ist die Datenproblematik jedoch nicht zu unterschätzen: Für
weite Gebiete Westafrikas existieren keinerlei operationelle Radaranalysen.
Satellitenbilder gibt es aber immerhin in halbstündlicher Auflösung vom
geostationären Wettersatelliten METEOSAT 7. Die Meßdaten der Polarorbiter
für die Ermittlung der Regenraten sind seit 1987 verfügbar. Operationelle
Radiosondenaufstiege sowie Pilotsondierungen werden jedoch nur an einigen
wenigen Stationen durchgeführt, und nur mit viel Glück gerade während des
Durchgangs einer Squall Line. Die Parameterfelder (Vorticity, spezifische Feuchte, ...)
der globalen Vorhersagemodelle helfen ebenfalls kaum weiter, da auch die Modelle
mit geringsten Datenmengen in den betreffenden Gebiet auskommen müssen.
Auslösende Faktoren tropischer Squall Lines
Als Hauptauslöser für die Bildung von Squall Line Systemen sind lokale Effekte
wie thermische Überhitzung und/oder orographische Auslösungen zu nennen.
Fast täglich beobachtet man während der Regenzeit jeweils am Nachmittag die
Auslösung von Gewitterherden an den Osthängen der lokalen Gebirgszüge
(z.B. des Air Gebirges oder Jos Plateus für das IMPETUS-Untersuchungsgebiet in Benin).
Für die nachfolgende Ausbildung eines Squall Line Systems ist dann insbesondere
noch die Existenz einer Windscherung mit der Höhe erforderlich.
Die ausgeprägte Organisation und Langlebigkeit eines tropischen Squall Line
Systems (-> die mittl. Lebensdauer beträgt etwa 10 bis 13 Stunden, max. sogar bis zu 24 Stunden)
läßt allerdings zusätzlich auf größerskalige Triggermechanismen schließen.
Diese sind vor allem die african easterly waves (AEW‘s), die im Nordsommerhalbjahr
als flache barokline/barotrope Störungen im Bereich des african easterly jets
(AEJ) entstehen und sich unter Verstärkung über Westafrika westwärts in
Richtung des tropischern Ostatlantiks verlagern. Auf Satellitenbildern erkennt
man zur Hauptregenzeit (Juli bis September) auf der konvergenten Trogvorderseite
dieser Wellenstörungen allgemein eine vertstärkte Konvektionstätigkeit -
es bilden sich mesoskalige Konvektionskomplexe, sog. tropische Cloud Cluster aus.
Innerhalb dieser Cloud Cluster entwickeln sich dann häufig stärker organisierte
Squall Line Systeme (siehe hierzu auch Payne & McGarry, 1977).